Der bekannte Autor Timothy Ferris erzählt in seinem autobiografischen Buch
seine Erfahrungen als Amateurastronom und seine Begegnungen mit Astronomen. Quasi
nebenbei erfährt der Leser die Fortschritte in der Amateurastronomie und
was zu sehen und zu fotografieren ist. Ein interessantes und lesenswertes Buch!
Die Beobachtung des Himmels ist für viele Menschen ein faszinierendes
Hobby, das sich mittlerweile auf einem Niveau betreiben lässt, das früher
nur professionellen Wissenschaftlern vorbehalten war. Der Autor versucht dem
Geheimnis auf die Spur zu kommen, was dieses Hobby so reizvoll macht. Warum
tun viele Menschen etwas scheinbar so Nutzloses? Warum harren sie nachts in
der Kälte aus, bringen ihren gesamten Tagesablauf durcheinander und nehmen
einen folgenden Tag voller Müdigkeit in Kauf?
Timothy Ferris nutzt seine eigenen langjährigen Erfahrungen in der Beobachtung
als Aufhänger. Der Beginn war, ähnlich wie bei vielen heute neuen
Amateuren, die Planetenbeobachtung und die allgemeine Betrachtung des nächtlichen
Himmels. Ferris schildert dies alles aus der Sicht des Amateurs. Er gibt in
lockerem, flüssigem Stil einen sehr dichten Eindruck von der Tätigkeit
und der Freude des Amateurastronoms. Der erste Teil weckt ein Gefühl für
die Welt des Hobbys und für die Beweggründe, sich mit den Sternen
zu befassen.
Der zweite Teil nimmt die Objekte des Sonnensystems als konkrete Beispiele
für Beobachtungen. Der Autor beschreibt, was man sehen kann, und dies nicht
nur als reine Auflistung der physikalischen Eigenschaften, sondern innerhalb
eines durchgängigen Textes. Dieser Teil wird so zu einer Mischung aus populärwissenschaftlichem
Sachbuch und Beobachtungsanleitung. Der Leser lernt viel über die Eigenschaften
der Planeten, aber auch ebenso viel über die Techniken und Ziele ihrer
Beobachtung. Dieser komplette Teil ist keine Anleitung zur Fotografie und Beobachtung,
sondern darf mehr als Motivation gelesen werden. Die Zielobjekte der Beobachtung
werden so spannend dargestellt, dass man den Drang verspürt, die großen
Entdeckungen auf diesen Gebieten selbst nachzuvollziehen. Die Faszination und
Einzigartigkeit des Objektes steht für Ferris zu jeder Zeit im Vordergrund.
Der dritte Teil ist dann den Himmelsobjekten außerhalb des Sonnensystems
vorbehalten: Sterne, Milchstraße, Galaxien. Die sogenannten "Deep-Sky-Objekte"
werden unter dem Oberbegriff "Milchstraße" beschrieben. So gelingt
es dem Autor, alle bekannten Objektklassen in einen Gesamtzusammenhang einzuordnen.
Nichts steht isoliert neben dem anderen, sondern alles bildet einen Teil in
einem Ganzen, dass sich hauptsächlich am Lebensweg der Sterne orientiert.
In diesem dritten Teil verzichtet das Buch auf lange Listen lohnender Objekte,
sondern will dem Leser diese Objekte vor allem nahe bringen und Verständnis
dafür wecken, was sich im Okular überhaupt zeigt. An jeder Stelle
schimmert hier die Begeisterung des Autors für seine Beobachtungen durch,
die sich unwillkürlich auf alle Amateurastronomen übertragen lässt
und die den Leser anregt, eigene Beobachtungen zu machen.
Zwischen den allgemeinen Kapiteln finden sich regelmäßig Kapitel
die einzelnen bekannten Amateuren gewidmet sind. Immer treffend in thematischer
Nähe zu den Objekten, mit denen sich diese Personen hauptsächlich
befassen. Gerade an diesen kurzen Einblicken kann der Leser erkennen, bis zu
welchem Niveau ein ernsthaft agierender Hobby-Astronom kommen kann und welche
Beweggründe er oder sie für die Beschäftigung mit der Astronomie
hat. Neben etwas weniger bekannten Namen wie Barbara Wilson oder Brian May tauchen
hier auch Namen auf, die man an vielen Stellen der Literatur finden kann wie
James O"Meara, David Levy oder Patrick Moore.
Ein spannendes und lesenswertes Buch für alle, die noch nicht genau wissen,
warum sie selbst beobachten sollen, und alle die vielleicht vergessen haben,
warum sie überhaupt beobachten. Seiten, gebunden, 2004.